Rekrutierung = Investition?

Mitarbeitende werden wegen ihrer Ausbildung und Erfahrung eingestellt, doch welchen Stellenwert hat die Persönlichkeit im Bewerbungsprozess?

Stellt sich diese Überlegung überhaupt?

Jeder von Ihnen kennt die Situation. Als Unternehmer, Geschäftsführer oder Verwaltungsrat freue ich mich auf die neue Unterstützung und mein Bauchgefühl sagt mir, die «richtige» Person gefunden zu haben. Dann, nach einiger Zeit erkenne ich, dass sich die Entwicklung nicht in der von mir erwarteten Weise einstellt und ich muss mir eingestehen, dass ich mich (vielleicht) geirrt habe. Es passt einfach nicht!

Warum habe ich mich, wider besseres Wissen, einmal mehr ausschliesslich auf meine Erfahrung verlassen und dabei alles andere ausgeblendet? Schnell sind die Gründe aufgezählt:

  1.       Zeitdruck – Ich brauche sehr zeitnah (jetzt) Ersatz
  2.       Fachkräfte – Schwierig zu finden, ich bin froh überhaupt jemanden zu finden
  3.       Unterstützung – Viel zu teuer, kann ich selbst und «die» kochen auch nur mit Wasser
  4.       Bauchgefühl – Darauf kann ich mich in der Regel verlassen
  5.       Probezeit – Sollte es nicht passen, trennt man sich innerhalb der Probezeit wieder
  6.       Kurzfristiger Blickwinkel – Eine Fehleinstellung kann immer passieren

Als langjähriger CEO in einem Handelsunternehmen habe ich meine Entscheidungen mit den oben erwähnten Punkten verteidigt und muss heute eingestehen, ich hätte es «besser» machen können. Themen wie Personalbestand, Kostendruck, und leider auch Unternehmenskultur (es war immer so…) haben mich fälschlicherweise davon abgehalten, mich dieser Verantwortung zu stellen!

Als angestellter Entscheider (egal in welcher Funktion) geht man zuweilen fahrlässig mit dem Kapital des Eigners um! Wir alle wissen aus der Betriebswirtschaft, dass eine Fehleinstellung das Unternehmen locker bis zu einem Jahresgehalt kostet. Nehmen Sie sich einmal 10 Minuten Zeit und rechnen Sie aus, welche Stellen mit welchem Aufwand bei der Neubesetzung einer Funktion involviert sind. Sie werden staunen! Rekrutierung, Mediakosten, Einstellung, Onboarding, Einarbeitung, Administration, IT, HR, Begleitung, Wirkungsgrad neuer Mitarbeitenden, Kommunikation, Spesen, Firmenfahrzeug, Gespräche, Kündigungs-, und Trennungskosten, die Liste lässt sich leicht weiterführen.

Betrachten wir diese Ausgangslage über einen längeren Zeitraum von z.B. 3 Jahren, erhalten die finanziellen Konsequenzen unserer (Fehl-)Entscheidungen eine noch weit dramatischere Dimension. Fluktuationen sind «per se» ein «Gewinnfresser»!

Geht es um die Anschaffung einer Maschine, werden Plichten Heft, sowie ein ROI erstellt. Abteilungen müssen dem VR/CFO exakt berechnete Tragfähigkeits-, und Finanzierungsmodelle präsentieren. Trägt etwa unsere «Sparpsychologie» dazu bei, dass wir entstehende Kosten für einen wertschöpfenden Rekrutierungsprozess ausblenden? Klar, diese Dienstleistungen (intern wie extern erstellt) verursachen sichtbare, unmittelbare Kosten und führen zu Abfluss von flüssigem Kapital.

Sehen wir eine erfolgreiche Neueinstellung in Menschen, in unsere Mitarbeitende, nicht als Investition? Das wäre fatal, sind es doch die Mitarbeitenden, welche das Unternehmen zum Erfolg führen.

Rational ist es kaum zu erklären, warum wir in diesem Prozess das Thema Persönlichkeit nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit betrachten. Der Persönlichkeit im Gesamtkontext ist dringend eine höhere Gewichtung einzuräumen. Lassen Sie uns darüber sprechen! Ich freue mich auf Ihre Meinung und bin gespannt, welche Erfahrungen Sie mit diesem Thema gemacht haben.

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Autor

Markus Rupp

Markus Rupp

Business Partner

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